Gebäudeautomation scheitert selten an der Technik, sondern oft schon an der Ausschreibung: Sie wird zu spät, zu vage oder verstreut über mehrere Gewerke ausgeschrieben – und am Ende fühlt sich niemand für das Zusammenspiel verantwortlich. Dieser Leitfaden richtet sich an Architekturbüros und Planer und zeigt, was in ein Leistungsverzeichnis für Gebäudeautomation gehört, welche Fehler typisch sind und wie ein Fachpartner beim Formulieren hilft.
Das Wichtigste in Kürze
- Gebäudeautomation braucht eigene, klar abgegrenzte Positionen in der Ausschreibung – nicht nur Kabel und Aktoren im Elektro-Leistungsverzeichnis.
- Kern jeder guten Ausschreibung ist eine Funktionsbeschreibung: Was soll das Gebäude können, und wer verantwortet Programmierung und Inbetriebnahme?
- Schnittstellen zu Elektro, HKLS und Sicherheitstechnik müssen ausdrücklich geregelt sein – sonst entstehen genau dort die Nachträge.
Warum Gebäudeautomation oft unklar ausgeschrieben wird
In vielen Projekten wird Gebäudeautomation als Anhängsel der Elektroinstallation behandelt: Busleitung, ein paar Aktoren, ein Panel – Programmierung „nach Erfordernis“. Das Ergebnis sind Angebote, die sich kaum vergleichen lassen, und eine Ausführung, in der niemand für das Zusammenspiel von Licht, Beschattung und Heizung verantwortlich ist. Dazu kommt der Zeitpunkt: Wird die Automation erst nach der Elektroplanung ausgeschrieben, fehlen Leitungen, Verteilerplatz oder Schnittstellen, und jede Ergänzung wird zum Nachtrag.
Was ins Leistungsverzeichnis gehört
- Funktionsbeschreibung: raumweise oder nach Raumtypen, was die Automation tun soll – etwa Konstantlichtregelung im Büro, sonnenstandsgeführte Beschattung, Einzelraumregelung, Präsenzabschaltung. Sie ist die Messlatte für jedes Angebot.
- Systemanforderungen: offenes oder herstellerspezifisches System, lokale Steuerung ohne Cloud-Zwang, Erweiterbarkeit, Anforderungen an Fernzugriff und IT-Sicherheit.
- Mengengerüst: Anzahl der Räume bzw. Zonen, Leuchtengruppen, Beschattungsantriebe, Heiz- und Kühlkreise, Messstellen.
- Programmierung und Inbetriebnahme als eigene Leistung: inklusive Test, Funktionsabnahme und Feinjustierung nach Bezug.
- Bedienkonzept und Visualisierung: Welche Bedienstellen gibt es, wer darf was ändern, welche Oberfläche bekommen Nutzer und Facility Management?
- Dokumentation und Übergabe: Projektdatei bzw. Programmierung, Pläne, Funktionsliste, Einweisung – und die Frage, wem die Projektdatei gehört.
- Energieeffizienz: Wo relevant, eine Zielklasse nach EN ISO 52120-1. Die Norm teilt Gebäudeautomation in die Effizienzklassen A bis D ein und macht Anforderungen damit vergleichbar.
In Österreich bietet die standardisierte Leistungsbeschreibung Haustechnik (LB-HT) die Grundlage für viele Positionen rund um Verkabelung und Komponenten. Für die Funktionsbeschreibung und die Programmierleistung lohnt es sich, projektspezifische Positionen zu formulieren – hier entstehen erfahrungsgemäß die meisten Lücken.
Schnittstellen zu anderen Gewerken
Die meisten Konflikte entstehen nicht innerhalb der Gebäudeautomation, sondern an ihren Rändern. Eine gute Ausschreibung regelt ausdrücklich:
| Schnittstelle | Typische Frage | Was festgelegt sein sollte |
|---|---|---|
| Elektro | Wer liefert und montiert Aktoren, Sensoren, Busleitung? | Abgrenzung von Lieferung, Montage und Programmierung je Komponente |
| HKLS | Wie spricht die Automation Heizung, Lüftung und Kühlung an? | Art der Anbindung und Verantwortung für Regelparameter |
| Beschattung | Wer liefert Antriebe und Wetterstation? | Antriebstyp, Anbindung, Windschutzfunktion |
| Sicherheitstechnik | Wie werden Alarm, Zutritt oder Brandschutz eingebunden? | nur Meldungen oder Steuerung – normative Vorgaben beachten |
| IT und Netzwerk | Wer stellt Netzwerk und Fernzugriff bereit? | Netzwerksegment, Zugriffsrechte, Zuständigkeiten |
Typische Fehler – und wie man sie vermeidet
- Programmierung „nach Aufwand“ ohne Funktionsbeschreibung: Angebote sind nicht vergleichbar, und der Funktionsumfang wird erst in der Ausführung verhandelt.
- Automation nur im Elektro-Leistungsverzeichnis: Die Komponenten sind ausgeschrieben, die Verantwortung für das Zusammenspiel nicht.
- Zu späte Ausschreibung: Leitungswege und Verteilerplatz sind schon festgelegt, die Automation muss mit dem auskommen, was übrig ist.
- Unklare Rechte an der Projektdatei: Ohne Regelung kann später nur der ursprüngliche Errichter Änderungen vornehmen – ein Thema für die Wartung über viele Jahre.
- Keine Funktionsabnahme: Abgenommen wird die Installation, nicht ob die Beschattung bei Wind tatsächlich hochfährt. Eine Funktionsprüfung gehört in die Abnahme.
- Keine Nachjustierung: Gebäude verhalten sich im ersten Jahr anders als geplant. Eine Phase der Feinjustierung nach Bezug sollte Teil der Leistung sein.
Wie ein Fachpartner unterstützt
Ein Automationspartner ersetzt die Ausschreibung nicht, vereinfacht sie aber deutlich: Er übersetzt das Nutzungskonzept in eine Funktionsbeschreibung, schätzt das Mengengerüst, formuliert die Positionen für Programmierung und Inbetriebnahme und benennt die Schnittstellen, die im Projekt geregelt werden müssen. ZenIQ unterstützt Architekturbüros in Wien genau dabei – herstelleroffen für Loxone, Schrack und KNX. Bei öffentlichen Vergaben gelten für Unternehmen, die an der Vorbereitung mitgewirkt haben, eigene Regeln; das klären wir vorab.
Gründer & Smart-Home-Spezialist bei ZenIQ – Praxis mit Loxone, Schrack und KNX aus echten Projekten in Wien.
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Systembezogen oder herstellerneutral ausschreiben?
Das hängt vom Projekt ab. Herstellerneutral bleibt der Wettbewerb offen; dann muss die Funktionsbeschreibung umso genauer sein. Wird ein System vorgegeben, sollte das sachlich begründet sein, etwa durch Bestand oder Wartungskonzept.
Was ist eine Funktionsbeschreibung?
Eine Beschreibung in Alltagssprache, was die Automation pro Raum oder Raumtyp leisten soll – zum Beispiel: Licht schaltet bei Anwesenheit ein und hält am Arbeitsplatz eine konstante Beleuchtungsstärke. Sie ist die Messlatte für Angebot, Ausführung und Abnahme.
Wer sollte die Rechte an der Projektdatei haben?
Idealerweise der Bauherr bzw. Betreiber. Dann kann er später jeden Fachbetrieb mit Änderungen beauftragen. Das sollte in der Ausschreibung ausdrücklich geregelt sein.
Kann ZenIQ eine bestehende Ausschreibung prüfen?
Ja. Wir sehen uns Funktionsbeschreibung, Mengengerüst und Schnittstellen an und sagen, wo Lücken sind – bevor sie in der Ausführung zum Nachtrag werden.
Wie läuft ein Projekt mit ZenIQ ab?
Erstgespräch, Planung mit Festpreis, saubere Installation und dokumentierte Übergabe – ein Ansprechpartner von Anfang bis Ende.
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